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Liberaler Neuanfang mit Startschwierigkeiten

1. September 2010

 Von Johann Legner

Die FDP-Fraktion des Landtags hat einen neuen Vorsitzenden und der muss sich gleich zu Beginn wieder mit altbekannten Problemen herumschlagen. Zwei der sieben Abgeordneten verweigerten Andreas Bütt ner, dem 37-jährigen Berliner Polizisten mit Wohnsitz in der Uckermark am Dienstag ihre Stimme.

Brandenburgs FDP-Generalsekretär Andreas Büttner ist neuer Vorsitzender der Landtagsfraktion. Und bei der Neuausrichtung der Fraktionsarbeit konnte Büttner sich ebenfalls nicht in dem gewünschten Umfang durchsetzen. So hatte er als Ersatz für den aus dem Amt gedrängten bisherigen Fraktionschef Hans-Peter Goetz unter anderem die Potsdamer Abgeordnete Linda Teuteberg vorgesehen. Die aber erbat sich Zeit zum Nachdenken, bevor sie den FDP-Sitz in der laufenden Enquetekommission zur Aufarbeitung der SED-Vergangenheit und der Neugründung des Landes übernehmen wird - zumal ihr vor wenigen Wochen noch von der Parteispitze genau dieser Sitz mit dem Hinweis auf ihr jugendliches Alter verweigert worden war. Büttner kommentierte dies als »Klärungsbedarf«, betonte seinerseits, dass er jetzt der Überzeugung sei, die Potsdamerin sei bestens geeignet, wollte aber andererseits gar nicht erst den Eindruck erwecken, jetzt könne völlig unbelastet von den Auseinandersetzungen der Vergangenheit neu begonnen werden.

Der Lausitzer Abgeordnete Jens Lipsdorf sagte dazu, es müsste für Teuteberg, die sich in besonderem Maße bei diesem Thema profiliert hat, annehmbare Arbeitsbedingungen und die geschlossene Unterstützung der Fraktion erreicht werden. Dafür werde er sich auch persönlich engagieren. Teuteberg selbst sagte, ihr ginge es darum, dass die FDP-Fraktion so gut wie irgendwie möglich in dieser von der Opposition gemeinsam durchgesetzten Kommission mitarbeitet. Wenn der Eindruck vermittelt werde, sie wolle sich dem verweigern, so sei dies völlig falsch. Goetz, der frühere Chef der Fraktion, wird im Übrigen ihr innenpolitischer Sprecher bleiben.

Als Folge der Wahl Büttners zum Fraktionschef hat sich gestern der Parteivorsitzende Heinz Lanfermann entschieden, den Abgeordneten Gregor Beyer als neuen Generalsekretär zu nominieren - verbunden mit der Ankündigung, selbst weiterhin Parteichef bleiben zu wollen. Damit scheinen sich auch die Spekulationen zu erledigen, nach denen Beyer die Ablösung von Lanfermann betreibt und selbst die Parteispitze besetzen will. Auch in dieser Frage hält sich die Bereitschaft der bislang in der Landespolitik glücklos agierenden Liberalen zum Neuanfang offensichtlich in Grenzen.

 

Griff in die Kassen der Hochschulen

31. August 2010

Brandenburg: Allein die Universität Cottbus soll 3,66 Millionen Euro abgeben / Klage möglich
Die Brandenburger Hochschulen sollen zur Haushaltskonsolidierung beitragen und 10 ihrer 25 Millionen Euro Rücklagen abgeben.


Die rot-rote Koalition werde die Ausgaben für die Hochschulen »als Investition in die Fachkräfte und Märkte von Morgen« beibehalten und den »erfolgreichen Weg des Dialogs« mit der Landesrektorenkonferenz beibehalten, so steht es im Koalitionsvertrag. Doch derzeit gibt es erheblichen Zank. Die Hochschulen verfügen über 25 Millionen Euro Rücklagen und das Wissenschaftsministerium will im kommenden Jahr zehn Millionen davon einkassieren. Hintergrund ist ein entsprechender Kabinettsbeschluss. Auch die Hochschulen sollen einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten.
 
Nach Darstellung von Staatssekretär Martin Gorholt handelt es sich um eine einmalige Entnahme. Ansonsten gebe es bei der Wissenschaft keine Abstriche, versicherte er gestern. Der Landtagsabgeordnete Christian Görke (LINKE) sprach von einem »maßvollen Eingriff in die Rücklagen«.

Allein 3,66 Millionen Euro soll die Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU) abgeben. Man habe für das Haushaltsjahr 2010 ohnehin schon 2,2 Millionen Euro weniger vom Land bekommen als im Jahr zuvor, beschwert sich die Universität. Man müsste also einen Verlust von über fünf Millionen Euro hinnehmen, was zehn Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel entspreche. BTU-Präsident Walter Ch. Zimmerli hofft, dass bald ein konstruktives Gespräch beginnt, »damit sich die BTU nicht gezwungen sieht, Rechtsmittel einzulegen«.

Die Zahl der Studenten an der Technischen Universität Cottbus sei in den vergangenen drei Jahren von unter 4400 auf über 6400 angewachsen. Diese Leistung sei »auch im Vertrauen auf unsere gezielte Bewirtschaftungspolitik der knapp bemessenen Haushaltsmittel erbracht worden«, erklärte Zimmerli. Jetzt habe es den Anschein, dass Leistung »nicht belohnt, sondern bestraft« werde.

Als nicht zulässig bewertet ein Rechtsgutachten die Wegnahme der Rücklagen. Im Namen der Landesrektorenkonferenz in Auftrag gegeben hatte dieses Gutachten die Universität Potsdam, die selbst 4,49 Millionen Euro herausrücken soll. Gutachter Christian Pestalozza meint, die Zusage, Rücklagen bilden zu dürfen, schließe die Verpflichtung des Landes ein, »die einmal gebildeten Rücklagen nicht anzutasten«. Das sieht das Wissenschaftsministerium anders. Bei der Erlaubnis, nicht sofort ausgegebene Mittel in Form von Rücklagen aufzuheben, habe sich nur um eine politische Erklärung gehandelt. Diese besitze keinen rechtsverbindlichen Charakter.

Das spielt für den Landtagsabgeordneten Jens Lipsdorf (FDP) aber keine Rolle. »Versprechen müssen gehalten werden«, auch wenn sie nicht einklagbar seien, findet er. Daran sollte sich Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) orientieren. Lipsdorf ist Vorsitzender des parlamentarischen Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Es sei »viel Vertrauen zwischen den Hochschulen und der Landesregierung zerstört worden«, bedauerte er.

Jedes Jahr diagnostiziere das Statistische Bundesamt, dass Brandenburg Schlusslicht bei der Finanzierung der Hochschulen sei, erinnerte Grünen-Landeschef Benjamin Raschke. Auch bei der Orientierung auf die Forschung landeten die brandenburgischen Hochschulen auf dem letzten Platz. Vor diesem Hintergrund sei es abstrus, wenn die Landesregierung die Hochschulen genau derjenigen Mittel berauben wolle, die diese unter anderem in neue Forschungsprojekte gesteckt hätten.

 
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